Die Unité von Marseille war die erste von insgesamt fünf Wohneinheiten und wurde 1952 fertiggestellt. Das Konzept der zur Wohnmaschine gestapelten Maisonette-Wohnungen geht auf Le Corbusiers „Pavillon de l’Esprit Nouveau“ von 1925 sowie das System „Dom-ino“ von 1914 zurück. Neben den Wohnungen sind hier weitere Funktionen wie Geschäfte, ein kleines Hotel und eine Wäscherei zu einer vertikalen Stadt integriert, auf dem Dach gibt es einen Kindergarten, ein Freilufttheater und eine Sporthalle.
Der Mensch steht nicht nur funktional im Mittelpunkt, er wird auch zum Maßstab bis ins Detail: Le Corbusier wendete hier zum ersten Mal sein kurz zuvor entwickeltes Maßsystem „Modulor“ konsequent in der Praxis an. Die harmonischen Maße dieser Fibonacci-Reihe leiten sich von der Greifhöhe eines stehenden Menschen von 2,26 m ab.
Das Gebäude steht auf mächtigen Stahlbetonstützen, unter denen der Verkehr und das öffentliche Leben hindurchfließen sollten.
Die Wohnmaschine ist ein typisches Beispiel für Le Corbusiers Streben nach einer radikalen Änderung der Architektur, die unter Verwendung technischen Möglichkeiten bessere Lebensbedingungen schaffen sollte. Der intellektuelle Unterbau hat bei Le Corbusier großes Gewicht. Er selbst sieht sich ganz unbescheiden als Universalgenie in der Tradition eines Leonardo da Vinci. Dass seine gebaute Architektur diesem messianischen Anspruch in der Praxis – besonders im Rückblick – nicht immer gerecht wurde, schmälert in keiner Weise seine Leistung als der prägendste Architekt und radikalste Erneuerer der Architektur des 20. Jahrhunderts.